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Urban Art Teil II: Mavi Garcia - Achillesferse
vom 30.06. bis 30.07.2017

Information zur Ausstellung

In seiner aktuellen Ausstellung präsentiert der KunstVerein Ahlen im Rahmen des vom Kultursekretariat Gütersloh initiierten Verbundprojektes "Urban Art II - Stadtbesetzung 2017" die Künstlerin Mavi Garcia.

Das Projekt knüpft an das Projekt "Stadtbesetzung 2015" an. Ging es 2015 eher darum, verschiedene Facetten und Ansätze der zeitgemäßen Weiterentwicklung von "Urban Art" und Graffiti  zu erproben, soll der Schwerpunkt der "Stadtbesetzung 2"  auf der Beziehung zwischen dem öffentlichem Raum auf der einen und dem menschlichen Körper auf der anderen Seite liegen. Thematisiert werden die Spannungsfelder zwischen Architektur und Körper, zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, zwischen Individuum und Gesellschaft. Performative Eingriffe in den öffentlichen Raum (städtisch und ländlich) können ohne große Ankündigung erfolgen und wirken über Momente der Irritation, des Ungewöhnlichen, der Überraschung. Mit dem Verbundprojekt zu diesem Thema knüpft das Kultursekretariat NRW Gütersloh an seine langjährige Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten der Kunst im öffentlichen Raum an und erweitert sie um eine aktuelle Perspektive.

In ihren Fotoserien, Objekten und Performances beschäftigt sich die 1975 in Málaga/Spanien geborene Künstlerin Mavi Garcia mit dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Die Position des einzelnen Menschen zu seinem sozialen Umfeld, der Umgang der Gesellschaft mit den Eigenheiten, Befindlichkeiten, Problemen und Schwachstellen des oder der Anderen sowie die Reflektion der eigenen Haltung stehen im Mittelpunkt ihres kreativen Schaffens.

Hierbei setzt Mavi Garcia sowohl in den Performances, aber auch in den Objekten und Fotoserien oft den eigenen Körper als künstlerisches Ausdrucksmittel ein. Die mit den Aktionen einhergehende physische Präsenz verleiht ihren Arbeiten eine Verletzlichkeit, die den Betrachter auf besondere und unmittelbare Weise berührt.

Achillesferse
Achillesferse

Bei der titelgebenden Performance "Achillesferse" - erstmalig im Jahr 2012 dokumentiert, jedoch noch nie im öffentlichen Rahmen vorgeführt - steht die Künstlerin nur mit Unterwäsche bekleidet auf einem Sockel. Um sie herum befinden sich mehrere Kisten mit Pflastern. Das Publikum ist eingeladen, die Künstlerin nach und nach mit den Pflastern zu bedecken, bis am Ende die Person unter der versiegelten Oberfläche verschwindet und zusammenbricht.

Das Pflaster als vermeintliches Allheilmittel steht hier symbolisch für den Umgang mit Schwachstellen, Defiziten und Verletzungen, im persönlichen wie gesellschaftlichen Bereich. Verletzungen werden an der  Oberfläche versiegelt, Unannehmlichkeiten glattgebügelt, Schwierigkeiten zugedeckt. Für jedes Problem gibt es ein Pflaster. Die oberflächliche Behandlung bzw. komplette Ignoranz auch prekärer Problemlagen führt unweigerlich zum kompletten Kollaps.

Eine Videodokumentation der Performance wird in der Ausstellung ebenso zu sehen sein wie ausgewählte Fotoserien und Objekte der Künstlerin.

Die zweite geplante Performance der beiden Künstler Mavi Garcia und Florian Zeeh am Tag nach der Eröffnung  in der Ahlener Innenstadt ist der erste Teil einer Trilogie, die beide Künstler in den vergangenen Jahren gemeinsam entwickelt haben.

1. perpetuum (2012)

2. tapetenwechsel (2013)

3. schlafstörung (2014)

Die beiden Künstler befinden sich in einer von außen schwarzen menschengroßen Kiste, in die von allen Seiten kleine Gucklöcher in unterschiedlicher Höhe eingelassen sind, durch die die Besucher des Stadtraums das Geschehen im Innern verfolgen können.

In ihrem Inneren ist die Kiste weiß, auch die Künstler sind weiß gekleidet. Das Innere der Kiste ist beengt, heiß und stickig. In der ca. 45 Minuten dauernden Performance kreist das Wasser. Die Aufgabe der Aktionisten besteht darin, das Wasser immerzu rundherum zu transportieren. In kreisförmiger Unbewegtheit verzehren sie sich, um den letzten Tropfen zu verschenken. Dabei bleibt im besten Fall mal ein Tropfen für sie übrig - sie dursten. In der unhinterfragten Pflichterfüllung wird das Wasser verschwendet, bis nichts mehr davon übrig ist. Und alle bleiben durstig. Die völlige Sinnlosigkeit des Vorgangs steht im Mittelpunkt.

perpetuum
perpetuum
perpetuum

In diesem ersten Teil ihrer Trilogie Schwarze Kiste behandeln Mavi Garcia und Florian Zeeh unter Einsatz des eigenen Körpers das Thema Arbeit und Arbeitsmoral, die Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit von Arbeit als einem entfremdeten Schaffensprozess.

Das Publikum ist eingeladen, den Vorgang durch die Gucklöcher zu beobachten, eine Haltung zum Geschehen zu entwickeln bzw. darüber mit anderen Beobachtern in Kommunikation zu treten.

Kurzvita von Mavi Garcia und weitere Informationen unter www.mavigarcia.de